Eine Stu­die der Jacobs Uni­ver­si­ty Bre­men hat die Ergeb­nis­se vie­ler Ein­zel­un­ter­su­chun­gen zur betrieb­li­chen Gesund­heits­för­de­rung zusam­men­ge­fasst und Befun­de zu Ver­hal­tens- und Ver­hält­nis­maß­nah­men vor­ge­stellt.

Mit gutem Beispiel vorangehen: Studienleiterin Prof. Dr. Sonia Lippke an ihrem ergonomischen Arbeitsplatz. Abbildung: Jonas Ginter

Mit gutem Bei­spiel vor­an­ge­hen: Stu­di­en­lei­te­rin Prof. Dr. Sonia Lipp­ke an ihrem ergo­no­mi­schen Arbeits­platz. Abbil­dung: Jonas Gin­ter

Um die Effek­ti­vi­tät ver­schie­de­ner gesund­heits­för­dern­der und prä­ven­ti­ver Maß­nah­men in Bezug auf die Erwerbs­fä­hig­keit und die kör­per­li­che Akti­vi­tät bzw. das Sitz­ver­hal­ten zu unter­su­chen, haben Pro­fes­so­rin Dr. Sonia Lipp­ke von der Jacobs Uni­ver­si­ty Bre­men und ihre Kol­le­gin PD Dr. Aike Hes­sel von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Olden­burg-Bre­men die Daten von 4.023 Stu­di­en­teil­neh­mern mitt­le­ren Alters, die vor­wie­gend sit­zend arbei­ten, aus 27 ver­schie­de­nen Stu­di­en ana­ly­siert.

Die Metastudie zeigt eindeutige Ergebnisse

Das Prä­ven­ti­ons­ge­setz, das seit 2016 gilt, erlaubt es Kran­ken­kas­sen, die Gesund­heit von Ange­stell­ten zu unter­stüt­zen. Die­se Maß­nah­men betref­fen aber nur die indi­vi­du­el­le För­de­rung ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter. Bei unter­neh­mens­wei­ten Maß­nah­men sind die Betrie­be selbst in der Pflicht. Offen war bis­her jedoch, wie wirk­sam die­se Maß­nah­men in Bezug auf Arbeits­fä­hig­keit und Ver­hal­tens­än­de­rung tat­säch­lich sind. Die Ergeb­nis­se der nun vor­lie­gen­den Meta-Ana­ly­se sind ein­deu­tig: Ver­hält­nis­för­de­rung (ergo­no­mi­sche Maß­nah­men) ist am effek­tivs­ten. Ver­hal­tens­för­de­rung (per­so­nen­be­zo­ge­ne Maß­nah­men) ist weni­ger effek­tiv, aber trotz­dem sinn­voll. Wer­den bei­de Ansät­ze kom­bi­niert ange­bo­ten, kann eine mitt­le­re Wirk­sam­keit erzielt wer­den.

Unterschiede zwischen Verhalten und Verhältnis

In den unter­such­ten Stu­di­en haben Ver­hal­tens­in­ter­ven­tio­nen typi­scher­wei­se aus indi­vi­dua­li­sier­tem kör­per­li­chem Trai­ning, Bera­tung und Coa­ching bestan­den. Mög­lich waren auch Grup­pen­dis­kus­sio­nen, in denen die posi­ti­ven Effek­te von kör­per­li­cher Akti­vi­tät the­ma­ti­siert wur­den. Das Ziel sol­cher Inter­ven­tio­nen – die Gesund­heit der Mit­ar­bei­ter zu ver­bes­sern – soll­te erreicht wer­den, indem sie indi­vi­du­ell dazu moti­viert wur­den, kör­per­lich akti­ver zu sein und weni­ger sit­zen­de Akti­vi­tä­ten aus­zu­üben. Die Ergeb­nis­se der Stu­di­en haben in die­sem Bereich aller­dings nur eine nied­ri­ge Effekt­stär­ke gezeigt. Ergo kann die Wirk­sam­keit sol­cher Maß­nah­men als gering bewer­tet wer­den, um die Gesund­heit der Mit­ar­bei­ter prä­ven­tiv zu erhal­ten.

Der Begriff der Ver­hält­nis­in­ter­ven­ti­on wur­de ange­wen­det, wenn die Stu­di­en­teil­neh­mer durch Ände­run­gen der Arbeits­platz­ge­stal­tung und der Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on (zum Bei­spiel ergo­no­mi­sche Büro­stüh­le und Sitz-Steh-Schreib­ti­sche) dazu moti­viert wur­den, kör­per­lich akti­ver zu sein. Die Stu­di­en­ergeb­nis­se zu prä­ven­ti­ven Ver­hält­nis­in­ter­ven­tio­nen zeig­ten durch­ge­hend eine mitt­le­re bis hohe Effekt­stär­ke auf kör­per­li­che Akti­vi­tä­ten und beweg­tes Sit­zen. Es konn­te eine deut­lich höhe­re Wirk­sam­keit als bei prä­ven­ti­ver Ver­hal­tens­in­ter­ven­ti­on erzielt wer­den.

Tipp für Unternehmer

Aike Hes­sel fasst die Ergeb­nis­se so zusam­men: „Unter­neh­men sind gut bera­ten, wenn sie gesund­heits­för­der­li­che Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten in den Arbeits­all­tag ihrer Mit­ar­bei­ter inte­grie­ren und die Ver­ant­wor­tung für aus­rei­chen­de kör­per­li­che Akti­vi­tä­ten nicht aus­schließ­lich in den Frei­zeit­be­reich ihrer Mit­ar­bei­ter dele­gie­ren.“