Beim Innen­aus­bau und der Ein­rich­tung ihrer Gewer­be­im­mo­bi­lie set­zen vie­le Mie­ter auf Nach­hal­tig­keit. Aller­dings: Pla­ner soll­ten wäh­rend der Kon­zep­ti­on auf mehr als den Mate­ri­al­ein­satz ach­ten, erklärt das Bera­tungs- und Archi­tek­tur­un­ter­neh­men CSMM. Ori­en­tie­rung geben unter ande­rem Zer­ti­fi­ka­te.

Ein Aspekt umweltbewusster Planung: der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen aus der Region. Abbildung: Christian Krinninger

Ein Aspekt der Nach­hal­tig­keit: der Ein­satz von nach­wach­sen­den Roh­stof­fen aus der Regi­on. Abbil­dung: Chris­ti­an Krin­nin­ger

Sorgen für lange Nutzbarkeit: Räume, die unkompliziert an neue Anforderungen angepasst werden können.  Abbildung: Christian Krinninger

Sor­gen für lan­ge Nutz­bar­keit: Räu­me, die unkom­pli­ziert an neue Anfor­de­run­gen ange­passt wer­den kön­nen. Abbil­dung: Chris­ti­an Krin­nin­ger

„Die Her­aus­for­de­rung liegt dar­in, Nach­hal­tig­keit über den gesam­ten Gebäu­de­zy­klus hin­weg zu defi­nie­ren“, sagt Dr. Dewi Schön­beck, Direc­tor Crea­ti­ve Con­sul­ting und DGNB-Con­sul­tant bei CSMM. „Hier ste­hen Pla­ner gegen­über Ver­mie­tern und Nut­zern in einer gro­ßen Ver­ant­wor­tung.“ Denn gut 40 Pro­zent des welt­wei­ten Ener­gie­be­darfs sind laut Schön­beck auf die Bau­bran­che zurück­zu­füh­ren. „Res­sour­cen­scho­nend zu pla­nen, ist daher die Basis für nach­hal­ti­ges Bau­en“, fin­det sie. Wich­tig bei der Aus­wahl von Bau­tei­len und Mate­ria­li­en sei jedoch eine fun­dier­te Betrach­tung. Denn nicht immer sei ein nach­wach­sen­der Dämm­stoff aus Baum­wol­le nach­hal­tig. Zum Bei­spiel, wenn er in Mono­kul­tu­ren ange­baut wird und über lan­ge Trans­port­we­ge zu uns gelangt. „Seriö­se Pla­ner betrach­ten daher die gesam­te Lebens­dau­er von Bau­stof­fen“, erklärt Schön­beck.

Umweltbewusste Planung setzt auf lokale Materialien

Der Ein­satz natür­li­cher Roh­stof­fe, loka­ler Mate­ria­li­en und Her­stel­ler ist dabei obers­tes Gebot. Hier bie­tet der Markt mitt­ler­wei­le inter­es­san­te und ästhe­tisch anspruchs­vol­le Pro­duk­te wie bei­spiels­wei­se hol­z­an­mu­ten­de Werk­stof­fe aus Reis­hül­sen oder Tep­pi­che, die aus alten Fischer­net­zen gewon­nen wer­den. Dar­über hin­aus fällt aber ins­be­son­de­re der Pla­nung in Zukunft eine wich­ti­ge Rol­le zu. Das heißt, Bera­ter und Archi­tek­ten spie­len ver­schie­de­ne Ent­wick­lungs­sze­na­ri­en eines Unter­neh­mens durch: Wie könn­te sich des­sen Grö­ße ver­än­dern, wie könn­ten sich die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge und Arbeits­ab­läu­fe wan­deln – und wie kann der Raum dann unkom­pli­ziert auf neue Anfor­de­run­gen ein­ge­stellt wer­den? Hier bie­ten offe­ne Raum­struk­tu­ren und der Ein­satz modu­la­rer Sys­te­me sowie recy­cel­ba­rer Mate­ria­li­en Fle­xi­bi­li­tät für Ver­än­de­rung.

Zertifikate werden wichtiger

Vie­le Unter­neh­men fra­gen bewusst nach Zer­ti­fi­zie­run­gen wie dem US-ame­ri­ka­ni­schen Punk­te­sys­tem LEED (Lea­dership in Ener­gy and Envi­ron­men­tal Design) oder dem WELL Buil­ding Stan­dard. Wäh­rend ers­te­res vor allem öko­lo­gi­sche und öko­no­mi­sche Aspek­te ein­be­zieht, ist das WELL-Zer­ti­fi­kat auf die Beur­tei­lung von Gebäu­den fokus­siert, mit Blick auf die Gesund­heit und das Wohl­füh­len der Men­schen. Hier gewinnt das Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­tem der Deut­schen Gesell­schaft für Nach­hal­ti­ges Bau­en inter­na­tio­nal an Bedeu­tung. Denn es ver­bin­det Umwelt­schutz­as­pek­te mit sozia­len Fak­to­ren. Des­halb wer­den auch Kri­te­ri­en zum Wohl­be­fin­den der Mit­ar­bei­ter wie Raum­luft, Beleuch­tung, Akus­tik oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten mit­ein­be­zo­gen. Außer­dem wird die Qua­li­tät nicht nur bis zur Fer­tig­stel­lung des Gebäu­des bewer­tet, son­dern über sei­nen kom­plet­ten Gebäu­de­le­bens­zy­klus hin­weg – und zwar mit Blick auf Öko­lo­gie, Öko­no­mie und sozio­kul­tu­rel­le Aspek­te.