Inha­ber und Mana­ger von Unter­neh­men müs­sen oft Reden hal­ten – nicht nur bei Weih­nachts­fei­ern, son­dern auch im Rah­men von Kick-offs, Händ­ler­ta­gun­gen und Ver­triebs­mee­tings. Mit den Tipps des Unter­neh­mens­be­ra­ters Dr. Georg Kraus wer­den Ihre Vor­trä­ge ein Erfolg.

Reden halten

Inter­es­san­te Vor­trä­ge oder Reden zu hal­ten, will gelernt und geübt sein. Foto: Pixabay

Bei vie­len Reden erlahmt das Inter­es­se der Zuhö­rer nach weni­gen Minu­ten. Dabei bli­cken sie der Rede, bei­spiels­wei­se ihres Chefs, oft durch­aus gespannt ent­ge­gen – sofern sie des­sen lang­at­mi­ge Anspra­chen nicht schon ken­nen. Ent­spre­chend leicht könn­ten Red­ner ihr Publi­kum begeis­tern. Zwölf Tipps, wie Ihnen dies gelingt.

Vortragstipp #1: Authentisch sein

Der Erfolg einer Rede hängt stark davon ab, ob der Red­ner die Sym­pa­thie sei­ner Zuhö­rer gewinnt. Doch wie gewinnt ein Red­ner die Sym­pa­thie der Zuhö­rer? Vor allem dadurch, dass er authen­ti­sch wirkt. Die Rede soll­te ihm also auf den Leib geschnei­dert sein. Unglaub­wür­dig wirkt es, wenn ein Erb­sen­zäh­ler sich als Witz­bold prä­sen­tiert. Oder wenn sich ein Ein­zel­kämp­fer ver­bal mit den Anwe­sen­den ver­brü­dert. Das wirkt geküns­telt. Also gehen die Zuhö­rer auf Dis­tanz.

Vortragstipp #2: Die Zuhörer auf eine Gedankenreise mitnehmen

Ein Red­ner gleicht einem Rei­se­füh­rer. Er nimmt sei­ne Zuhö­rer mit auf eine Gedan­ken­rei­se – zum Bei­spiel durch das kom­men­de Geschäfts­jahr. Also soll­te er sich im Vor­feld über­le­gen: Was ist der Anlass der Rei­se? Wohin soll sie gehen? Und: Wer nimmt an der Rei­se teil? Erst dana­ch soll­te er das Rei­se­pro­gramm, also den Inhalt und Ablauf der Rede, pla­nen.

Vortragstipp #3: Vorab überlegen: Wer ist mein Gegenüber

Beim Pla­nen Ihrer Rede soll­ten Sie wis­sen: Wer sitzt mir gegen­über? Und: Wel­che Bezie­hung besteht zwi­schen den Zuhö­rern? Ken­nen sie sich gut oder sehen sie sich nur ein­mal jähr­li­ch? Gehö­ren sie der­sel­ben Orga­ni­sa­ti­on an oder nicht? Denn wenn Ihre Zuhö­rer Tag für Tag zusam­men­ar­bei­ten, haben sie gemein­sa­me Erfah­run­gen: Auf die­se kön­nen Sie sich als Red­ner bezie­hen. Sehen sich hin­ge­gen nur ein­mal pro Jahr, müs­sen sie auf ande­re Ele­men­te zurück­grei­fen, um ihr Ohr zu fin­den. Zum Bei­spiel die Ent­wick­lung in der Bran­che. Oder sol­che bran­chen­über­grei­fen­den The­men wie das The­ma Digi­ta­li­sie­rung.

Vortragstipp #4: Mit den Zuhörern kommunizieren

Ein guter Red­ner kom­mu­ni­ziert mit sei­nen Zuhö­rern – selbst wenn nur er spricht. Zum Bei­spiel mit den Augen. Tra­gen Sie des­halb Ihre Rede so frei wie mög­li­ch vor. Spre­chen Sie das Publi­kum auch immer wie­der per­sön­li­ch an – jedoch nicht, indem Sie alle zwei, drei Minu­ten die Flos­kel „Mei­ne sehr ver­ehr­ten Damen und Her­ren“ ver­wen­den. Stel­len Sie den Zuhö­rern viel­mehr  rhe­to­ri­sche Fra­gen wie „Ken­nen Sie fol­gen­de Situa­ti­on, …?“ oder „Geht es auch Ihnen so, dass …?“. Inte­grie­ren Sie zudem Bei­spie­le aus der Erfah­rungs­welt der Zuhö­rer in Ihre Rede. Auch ein Schuss Humor und Selbst­iro­nie tut jeder Rede gut. 

Vortragstipp #5: Fassen Sie sich kurz

Je kür­zer eine Rede ist, umso bes­ser ist sie meist. Eine Fest­re­de zur Weih­nachts­fei­er soll­te nicht län­ger als zehn, maxi­mal fünf­zehn Minu­ten dau­ern. Denn bei einer Weih­nachts­fei­er steht das gemein­sa­me Fei­ern im Mit­tel­punkt. Anders ist dies bei­spiels­wei­se bei einer Rede zu einem Ver­triebs-Kick-off am Jah­res­be­ginn. Sie soll die Zuhö­rer auf die Her­aus­for­de­run­gen im neu­en Jahr ein­stim­men. Also kann die Rede mehr Infor­ma­ti­on ent­hal­ten und einen appel­la­ti­ve­ren Cha­rak­ter haben.

Vortragstipp #6: Auf Kernbotschaften fokussieren

Eine Rede soll­te höchs­tens drei Kern­bot­schaf­ten ent­hal­ten. Zum Bei­spiel: Die Arbeits­plät­ze sind sicher. Unser Unter­neh­men sieht einer rosi­gen Zukunft ent­ge­gen. Und: Dass es unse­rem Betrieb so gut geht, ver­dan­ken wir dem Ein­satz aller Mit­ar­bei­ter.

Vortragstipp #7: Die Gedankenreise planen

Für das inhalt­li­che Pla­nen Ihrer Rede kön­nen Sie die Mind­map­ping-Metho­de nut­zen. Sie funk­tio­niert wie folgt: Schrei­ben Sie in die Mit­te eines Blatt Papiers das The­ma oder den Anlass der Rede. Zum Bei­spiel: Unter­neh­mens­stra­te­gie 2018. Notie­ren Sie dann ent­lang von Lini­en, die von die­sem Zen­trum aus­ge­hen, alles, was Ihnen zum The­ma ein­fällt. Zum Bei­spiel: Inno­va­ti­on, Digi­ta­li­sie­rung, Ver­trieb. So bekom­men Sie schnell einen Über­bli­ck über die mög­li­chen Inhal­te der Rede. Und wenn Sie mer­ken, es wird zu viel? Dann strei­chen Sie ein­fach eini­ge (Seiten-)Arme.

Vortragstipp #8: Knackig einsteigen, feurig enden

Pla­nen Sie den Beginn und den Schluss Ihrer Rede beson­ders sorg­fäl­tig. Wie auf­merk­sam das Publi­kum Ihnen zuhört, hängt weit­ge­hend vom Ein­stieg ab. Gute Ein­stie­ge sind Anek­do­ten. Bau­en Sie Ihre Rede dra­ma­tur­gi­sch auf. Alles soll­te auf ein gro­ßes Fina­le hin­stre­ben, das dafür sorgt, dass Ihre Rede dem Publi­kum im Gedächt­nis bleibt – ähn­li­ch wie bei einem Feu­er­werk.

Vortragstipp #9: Kurze, knackige Sätze

Eine Rede soll­te aus mög­lichst kur­zen Sät­zen bestehen. Schach­tel­sät­ze sind schnell unver­ständ­li­ch. Sie beinhal­ten zudem die Gefahr, dass der Red­ner sich ver­hed­dert. Dann ist bei unge­üb­ten Red­nern oft der Rest der Rede gelau­fen. Denn sie wer­den ner­vös und ver­has­peln sich immer häu­fi­ger. Und irgend­wann war­tet das Publi­kum nur noch auf Ver­spre­cher.

Vortragstipp #10: Eine aktive, bildhafte Sprache

Wich­tig ist eine akti­ve Spra­che. Also zum Bei­spiel: „Wir pla­nen …“ statt „Unse­re Pla­nung sieht vor …“ Durch­fors­ten Sie Ihr Manu­skript nach sub­stan­ti­vier­ten Ver­ben wie Durch­füh­rung und Neu­ori­en­tie­rung. Wenn ein sol­ches Wort auf­taucht, kön­nen Sie davon aus­ge­hen: Die­se Aus­sa­ge kann man ein­fa­cher und ver­ständ­li­cher for­mu­lie­ren.

Vortragstipp #11: Die Rede üben

Sicher­heit gewin­nen Sie vor allem durch Rou­ti­ne und eine gute Vor­be­rei­tung. Hier­zu zählt das lau­te Üben der Rede. Ins­be­son­de­re den Ein­stieg, das Ende und die Über­gän­ge zwi­schen den Rede­pas­sa­gen soll­ten Sie so lan­ge üben, bis Sie die­se aus­wen­dig ken­nen. Stop­pen Sie beim Üben auch die Dau­er der Rede, damit Sie die hier­für vor­ge­se­he­ne Zeit nicht über­schrei­ten.

Vortragstipp #12: Gelassenheit bewahren

Und gera­ten Sie nicht in Panik, wenn Sie sich bei Ihrer Rede – trotz Ihrer guten Vor­be­rei­tung – mal ver­spre­chen oder den roten Faden ver­lie­ren. Denn das Reden­hal­ten ist nicht Ihr Haupt­job. Des­halb tra­gen sol­che klei­nen Pat­z­er eher dazu bei, dass Sie authen­ti­sch wir­ken.