1930 war der Mer­chan­di­se Mart in Chi­ca­go das größ­te Gebäu­de der Welt. 2014 zog Moto­ro­la Mobi­li­ty mit sei­ner Zen­tra­le ein. Wir spra­chen mit Todd Hei­ser vom Archi­tek­tur­bü­ro Gens­ler, der die neu­en Büros ent­wor­fen hat.

Alte Säu­len und Decken wur­den beim Umbau bewahrt. Foto: Eric Lai­gnel

Jeder soll im Gebäu­de den idea­len Ort fin­den kön­nen. Foto: Eric Lai­gnel

An vie­len Stel­len arbei­te­ten die Desi­gner mit knal­li­gen Far­ben. Foto: Eric Lai­gnel

Zur Erho­lung: Spie­le­kon­so­len, Spiel­au­to­ma­ten und Tisch­ki­cker. Foto: Eric Lai­gnel

Die Spit­ze des ver­ti­ka­len Cam­pus: Dach­ter­ras­se mit Hockern von Kon­stan­tin Grcic. Foto: Eric Lai­gnel

Todd Hei­ser ist Design Princi­pal und Stu­dio Design Lea­der in der Chi­ca­go­er Nie­der­las­sung des Archi­tek­tur­bü­ros Gens­ler.

OFFICE ROXX: Herr Hei­ser, was sind die größ­ten Schwie­rig­kei­ten und Her­aus­for­de­run­gen, wenn man heu­te Büros ent­wirft?
Todd Hei­ser: Ich den­ke nicht ger­ne über Schwie­rig­kei­ten nach, wenn ich Arbeits­plät­ze ent­wer­fe – ich sehe Schwie­rig­kei­ten als Gele­gen­hei­ten für Inno­va­ti­on. Wie gelingt es zum Bei­spiel, Arbeits­um­ge­bun­gen zu schaf­fen, die das Bedürf­nis des Nut­zers nach Kon­fi­gu­rier­bar­keit und Fle­xi­bi­li­tät und gleich­zei­tig sein Bedürf­nis nach Strom und Kon­nek­ti­vi­tät erfül­len? Wir müs­sen raf­fi­nier­te Lösun­gen ent­wi­ckeln, um Arbeits­plät­ze zu elek­tri­fi­zie­ren und sie indi­vi­du­ell anpass­bar zu machen. Uns ist das gelun­gen, indem wir eine Fül­le von Anschlüs­sen und gleich­zei­tig die Chan­ce zur Indi­vi­dua­li­sie­rung bie­ten.

In der neu­en Moto­ro­la-Zen­tra­le gibt es kei­ne Zel­len­bü­ros, son­dern offe­ne Büro­struk­tu­ren. Wor­auf kommt es an, wenn man sie gestal­tet?
Letzt­lich sind offe­ne Büro­land­schaf­ten ein fein­glied­ri­ges Öko­sys­tem aus Berei­chen, die fokus­sier­te und kol­la­bo­ra­ti­ve Arbeit in abge­schlos­se­nen, halb offe­nen und offe­nen Umge­bun­gen erlau­ben. Bei jedem Unter­neh­men ist die­se Mischung aus unter­schied­li­chen Berei­chen anders. Wir müs­sen daher das Bedürf­nis des Unter­neh­mens ent­zif­fern, damit wir ein Büro ent­wer­fen, das wirk­lich für die Nut­zer geeig­net ist. Es ist nicht leicht, durch­dach­te kol­la­bo­ra­ti­ve Berei­che zu schaf­fen – es reicht nicht, ein­fach einen Bil­lard­tisch in ein Café zu stel­len. Dafür haben tech­ni­kaf­fi­ne Ange­stell­te viel zu viel Ahnung von Räu­men und davon, was Räu­me leis­ten müs­sen. Wenn Sie durch die Büros von Moto­ro­la gehen, wer­den Sie eine Mischung von unter­schied­li­chen Räu­men fin­den. Das Öko­sys­tem dort ist so, dass man in jeder Eta­ge etwas kom­plett ande­res erle­ben kann. Die Moto­ro­la-Zen­tra­le ist ein urba­ner ver­ti­ka­ler Cam­pus – für jeden ist etwas dabei.

Zen­tral dafür ist das, was Hacka­bi­li­ty genannt wird. Wir bemü­hen uns, Arbeits­plät­ze zu schaf­fen, die es den Nut­zern erlau­ben, ihren Bereich zu modi­fi­zie­ren. Dadurch kann sich der Raum im Ver­lauf der Zeit ver­än­dern und auf die Bedürf­nis­se des Unter­neh­mens reagie­ren. Moto­ro­la Mobi­li­ty inte­grier­te das in den Ent­wurf, indem Räu­me geschaf­fen wur­den, die noch ver­dich­tet wer­den kön­nen – nicht nur mit Arbeits­plät­zen, son­dern auch mit kol­la­bo­ra­ti­ven Berei­chen.

Was ver­bin­den Sie mit Moto­ro­la – und wie hat Ihre Vor­stel­lung von Moto­ro­la das Pro­jekt beein­flusst?
Mit Moto­ro­la, das frü­her Goog­le gehör­te, ver­bin­de ich Inno­va­ti­on, Krea­ti­vi­tät und Lang­le­big­keit. Das Bedürf­nis von Moto­ro­la, sich stän­dig selbst neu zu erfin­den, bil­det das Rück­grat die­ses Büros.

Wel­che Rol­le spiel­te der Mer­chan­di­se Mart mit sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Archi­tek­tur und Geschich­te für Ihren Ent­wurf?
Der Mer­chan­di­se Mart ist ein fan­tas­ti­sches Gebäu­de – ein­zig­ar­tig. Die etwa 20.900 m2 gro­ße Geschoss­flä­che war die per­fek­te Lein­wand, um eine ver­ti­ka­le Stadt zu ent­wer­fen. Die Leich­tig­keit des Ein­gangs­be­reichs und die Fül­le an Ein­rich­tun­gen im Sockel des Gebäu­des machen es zu einem per­fek­ten Ort für die Ange­stell­ten. Durch sei­ne gute Erreich­bar­keit mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln ist es sowohl ide­al für Ange­stell­te, die in der Stadt leben, also auch für sol­che, die aus den Vor­or­ten kom­men. Dank der Gebäu­de­struk­tur kann das Tages­licht die gro­ßen Geschoss­flä­chen durch­drin­gen. Die fan­tas­ti­schen Dach­auf­bau­ten waren die idea­le Basis für klei­ne Parks und Außen­be­rei­che auf dem Dach. Und die Lage des Mer­chan­di­se Mart am Zusam­men­fluss von drei Armen des Chi­ca­go River erzählt eine Geschich­te von Inno­va­ti­on im Han­del und von der Bedeu­tung des Burn­ham Plan [Anm. d. Red: Die­ser Plan von 1909 sah eine Neu­ge­stal­tung Chi­ca­gos vor, mit neu­en Stra­ßen, Eisen­bahn­stre­cken, Parks, Hafen­an­la­ge und einer Öff­nung der Stadt zum Michi­gan­see]. Der his­to­ri­sche Cha­rak­ter des Gebäu­des hat es für die zahl­lo­sen Ange­stell­ten, die dort ein­zo­gen, auf Anhieb zu einem Ori­en­tie­rungs­punkt gemacht. Es schuf die per­fek­te Mischung aus High-Tech und High-Touch.

Vie­len Dank für das Gespräch.

Die Fra­gen stell­te Dr. Sebas­ti­an Klöß.