Die gesellschaftliche Ver­ant­wor­tung von Unternehmen sollte nicht unter­schätzt wer­den. Die Pub­lizistin Dr. Alexan­dra Hilde­brandt erk­lärt die Bedeu­tung von Cor­po­rate Social Respon­si­bil­i­ty (CSR) und warum diese sich pos­i­tiv auf die Wahrnehmung von Unternehmen auswirken kann. 

Der CSR-Manager versucht ökologische und soziale Aspekte der Unternehmensführung umzusetzen. Abbildung: Pixabay

Der CSR-Man­ag­er ver­sucht ökol­o­gis­che und soziale Aspek­te der Unternehmensführung umzuset­zen. Abbil­dung: Pix­abay

CSR beze­ich­net die frei­willige gesellschaftliche Ver­ant­wor­tung von Unternehmen, Organ­i­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen über ihre rechtlichen Pflicht­en hin­aus. Sie erset­zt dabei nicht poli­tis­ches Han­deln und Geset­zge­bung, bietet aber die Chance, weit­erge­hende gesellschaftliche Ziele zu ver­fol­gen und Stan­dards zu set­zen. In jüng­ster Zeit wird das ein­schränk­ende Wort „social“ häu­fig wegge­lassen. Oft wurde es noch mit „sozial“ gle­ichge­set­zt, was viel zu kurz greift. Denn es bedeutet „gesellschaftlich“.

Warum sich Unternehmen mit CSR beschäftigen sollten

Dass sich CSR pos­i­tiv auf den Unternehmenser­folg auswirkt, belegt eine Rei­he von Stu­di­en und Pub­lika­tio­nen seit Anfang dieses Jahrtausends. Öffentlichkeitswirk­same Fälle wie der Kur­sein­bruch bei deutschen Auto­mo­bil­her­stellern nach Bekan­ntwer­den der Manip­u­la­tio­nen in der „Dieselgate“-Affäre bele­gen, wie sen­si­bel Aktionäre inzwis­chen auf Prob­leme aus dem Bere­ich Nach­haltigkeit und CSR reagieren kön­nen.

Am 31. März 2017 wurde das Gesetz zur CSR-Bericht­spflicht vom Bun­desrat beschlossen. Damit wurde die Richtlin­ie der Europäis­chen Union endgültig in deutsches Recht umge­set­zt. Dem­nach sind ins­beson­dere Banken, Ver­sicherun­gen und Aktienge­sellschaften mit über 500 Mitar­beit­ern verpflichtet, eine nicht-finanzielle Berichter­stat­tung in ihren Lage- und Konz­ern­lage­bericht­en zu veröf­fentlichen. Erst­ma­lig erhal­ten soge­nan­nte pre-finanzielle Angaben über Sozial-, Arbeit­nehmer- und Umwelt­be­lange sowie Infor­ma­tio­nen über die Achtung von Men­schen­recht­en und die Bekämp­fung von Kor­rup­tion Einzug in die streng geregel­ten Geschäfts­berichte. Begrün­det wird die Bericht­spflicht von der EU-Kom­mis­sion damit, dass Ver­brauch­er heutzu­tage mehr und bessere Infor­ma­tio­nen zu diesen Bere­ichen ver­lan­gen. Außer­dem müssten Unternehmen mehr Trans­parenz zeigen.

Durch das Gesetz wer­den auch kleine und mit­tlere Unternehmen (KMU) berührt, da sie den Wertschöp­fungs­ket­ten der Großun­ternehmen oft vorge­lagert sind (Beschaf­fungs­ket­ten). Deshalb müssen auch sie die entsprechen­den Anforderun­gen erfüllen und trans­par­ent bele­gen.

Zeit für CSR 3.0

Mit ver­al­teten Führungs- und Organ­i­sa­tion­s­meth­o­d­en kön­nen keine Lösun­gen entwick­elt wer­den, um auf kün­ftige gesellschaftliche Verän­derun­gen und Her­aus­forderun­gen zu reagieren. Es braucht kohärente Strate­gien, die dazu beitra­gen, dass Organ­i­sa­tio­nen agiler und aktions­fähiger wer­den. Die Beschäf­ti­gung mit CSR-Man­age­ment ist in diesem Prozess sehr hil­fre­ich, weil sie zeigt, wo eine Organ­i­sa­tion ste­ht und welche Hand­lung­sop­tio­nen mit den jew­eili­gen Schrit­ten ver­bun­den sind. Dabei kann das Reife­grad­mod­ell von Andreas Schnei­der ein wichtiger Weg­weis­er sein.

CSR 0.0 – Hin­ter den Unternehmen­sak­tiv­itäten ist noch keine Sys­tem­atik und nach­haltige Wirkung erkennbar (Gießkan­nen­prinzip). Es wird lediglich der geset­zliche Rah­men einge­hal­ten.

CSR 1.0 – Es han­delt sich vor allem um phil­an­thropis­che Aktio­nen (Spenden, Spon­sor­ing etc.). Die  Aktiv­itäten sind geplant, allerd­ings haben sie kaum etwas mit dem Kerngeschäft zu tun und keine Auswirkun­gen darauf.

CSR 2.0 – Bei diesen Aktiv­itäten ist das Unternehmen direkt betrof­fen. Die Maß­nah­men wirken sich auf die Geschäftsstrate­gie und die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit der Organ­i­sa­tion aus. Die aktive und strate­gis­che CSR ist in die DNA der Organ­i­sa­tion inte­gri­ert. Das zu Ver­ant­wor­tende liegt in der Gegen­wart und in der Zukun­ft – es ist mit Ver­hal­tensän­derun­gen und einem wirk­samen nach­halti­gen Wan­del ver­bun­den.

CSR 3.0 – Die Organ­i­sa­tion­sstruk­turen sind so flex­i­bel gestal­tet, dass schnell auf erkan­nte Chan­cen und Risiken reagiert wer­den kann. CSR wird zu einem Organ­i­sa­tion­sprinzip, das in der gesamten Unternehmensführung ver­ankert ist.

CSR-Management

CSR-Man­age­ment kann einzel­nen Abteilun­gen in der Organ­i­sa­tion zuge­ord­net sein. Teil­weise ist es in der HR-Abteilung oder im Umwelt- und Qual­itäts­man­age­ment ver­ankert, häu­fig aber auch in der Unternehmen­skom­mu­nika­tion. Bei eini­gen Unternehmen ist der CSR-Bere­ich eine eigen­ständi­ge Abteilung. Wenn CSR nicht an die ober­ste Unternehmensebene ange­bun­den ist, kön­nen unternehmen­süber­greifende Strate­gieprozesse kaum wirk­sam wer­den.

Nie war die Nach­frage nach Arbeitsmöglichkeit­en im CSR- und Nach­haltigkeits­bere­ich so groß wie heute. Vor allem die Gen­er­a­tion Y legt beson­deren Wert auf eine ökol­o­gis­che und soziale Aus­rich­tung der Geschäftsmod­elle. Die Ange­bote zum Berufs­bild des CSR-Man­agers sind in den ver­gan­genen Jahren gestiegen – auch dank des Qual­i­fizierungskonzepts „CSR-Man­ag­er (IHK)“, das einen bun­desweit­en IHK-Zer­ti­fikats­stan­dard set­zt. In den Mod­ulen und den Trans­fer­auf­gaben befassen sich die Teil­nehmer mit wirtschaft­sethis­chen Grund­la­gen, Betra­ch­tun­gen glob­aler und spez­i­fis­ch­er Her­aus­forderun­gen und Entwick­lun­gen für Unternehmen und Gesellschaft.

Lit­er­atur:

Clau­dia Silber/Alexandra Hilde­brandt: „CSR und Nach­haltigkeits­man­age­ment richtig umset­zen: Die wichtig­sten Schritte und Werkzeuge — mit zahlre­ichen Prax­is­tipps und Muster­vor­la­gen“, Ama­zon Media EU S.à r.l., Kin­dle Edi­tion 2017.

Alexan­dra Hilde­brandt: „CSR-Man­ag­er gesucht! Ein Berufs­bild zwis­chen Wun­sch und Wirk­lichkeit“, Ama­zon Media EU S.à r.l.,  Kin­dle Edi­tion 2017.

Dr. Alexan­dra Hilde­brandt, Pub­lizistin, Wirtschaft­spsy­cholo­gin und Nach­haltigkeit­sex­per­tin.

Twit­ter: @AHildebrandt70

Foto: Stef­fi Henn