Mit aus­ge­zeich­ne­ten Bewer­bungs­an­schrei­ben kön­nen sich Bewer­ber posi­tiv von eben­so qua­li­fi­zier­ten Mit­be­wer­bern abhe­ben. Wie das gelingt, erklärt der Exper­te Lukas Leist.

Beim Kon­zi­pie­ren und Ver­fas­sen des Bewer­bungs­an­schrei­bens soll­te man sorg­fäl­tig sein. Foto: Pixabay

„In den ers­ten zwei Tagen nach Erschei­nen unse­rer Stel­len­an­zei­ge besuch­ten fast 500 Per­so­nen unse­re Web­sei­te“, erzählt Hans-Joa­chim Neher, Geschäfts­füh­rer der DCS Dia­log-Com­pu­ter-Soft­ware GmbH, Darm­stadt. „Und vie­le Besu­cher ver­weil­ten län­ger als eine Vier­tel­stun­de auf ihr.“ Das weiß der IT-Exper­te auf­grund der Goog­le-Ana­ly­tics-Daten.

Umso über­rasch­ter war Neher, als er die Bewer­bun­gen als „Assistent(-in) der Geschäfts­füh­rung“ sich­te­te. Von den über 100 Bewer­bern, fast aus­schließ­lich Frau­en, ging maxi­mal ein Vier­tel auf den Text der Stel­len­an­zei­ge ein. Und dass die Bewer­ber auf der Web­sei­te des IT-Dienst­leis­ters für Tou­ris­tik­un­ter­neh­men waren? „Das spür­te man bei einem hal­ben Dut­zend.“

In allen Bewer­bungs­ratge­bern steht: „Neh­men Sie im Bewer­bungs­an­schrei­ben Bezug auf die Stel­len­an­zei­ge. Zei­gen Sie, dass Sie sich über das Unter­neh­men infor­miert haben.“ Trotz­dem tut dies das Gros der Bewer­ber nicht. Meist ver­sen­den sie an alle Unter­neh­men weit­ge­hend das­sel­be Stan­dard­an­schrei­ben. „Und dann jam­mern sie, dass sie nur Absa­gen erhal­ten“, kri­ti­siert Mee­ra Gandbhir von der Per­so­nal­be­ra­tung Con­ci­li­at, Stutt­gart. „Dabei erhält, wer sich so wenig Mühe gibt, zu Recht eine Absa­ge.“

Bewerbungsanschreiben checken und prüfen

Nicht oft genug kann betont wer­den: Ver­wen­den Sie als Stel­len­su­cher aus­rei­chend Zeit und Ener­gie auf das For­mu­lie­ren Ihres Anschrei­bens. „Das gilt ins­be­son­de­re für wirk­lich attrak­ti­ve Stel­len, auf die sich vie­le Per­so­nen bewer­ben“, betont Ber­na­det­te Imkamp, Lei­te­rin Per­so­nal­be­treu­ung und -mar­ke­ting bei der Bau­spar­kas­se Schwä­bisch Hall. „Denn mit dem Anschrei­ben kön­nen sich Bewer­ber posi­tiv von Mit­be­wer­bern abhe­ben, die einen eben­so qua­li­fi­zier­ten Lebens­lauf haben.“

Wer sich posi­tiv abhe­ben möch­te, muss zunächst die Grund­an­for­de­run­gen erfül­len. Das ist oft nicht der Fall, kri­ti­siert Mar­kus Vogel, Per­so­nal­aus­wahl­ex­per­te beim Bil­dungs­dienst­leis­ter Pro­va­dis, Frank­furt. Fir­men­ver­tre­ter sei­en immer wie­der erstaunt, wie oft sogar die Anschrei­ben von Aka­de­mi­kern Recht­schreib­feh­ler auf­wei­sen. Und in auf­fal­lend vie­len Bewer­bun­gen befän­den sich noch die Namen frem­der Unter­neh­men und Ansprech­part­ner. Des­halb rät Vogel Stel­len­su­chern: „Las­sen Sie das Anschrei­ben nach dem Ver­fas­sen noch einen Tag lie­gen und lesen Sie es dann erneut Kor­rek­tur. Und las­sen Sie es vorm Ver­sen­den von Freun­den oder Ver­wand­ten gegen­le­sen.“

Floskeln in Bewerbungsanschreiben vermeiden

Fir­men­ver­tre­ter mer­ken auch nega­tiv an: Die meis­ten Bewer­ber wie­der­ho­len im Anschrei­ben nur die Flos­keln aus den Stel­len­an­zei­gen. Ste­hen dar­in zum Bei­spiel die Adjek­ti­ve „team­fä­hig“ und „kom­mu­ni­ka­tiv“, dann fin­det man sie auch in den Anschrei­ben. Nur weni­ge Bewer­ber über­set­zen die Begrif­fe und bezie­hen sie auf die ange­streb­te Posi­ti­on. Zum Bei­spiel mit einer Aus­sa­ge wie: „Es fällt mir leicht, Men­schen zu kon­tak­tie­ren“ – eine Aus­sa­ge „mit der zum Bei­spiel vie­le Bewer­ber um eine Stel­le im Ver­kauf und Ser­vice punk­ten wür­den“, weiß Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­te Ingo Vogel, Ess­lin­gen. Der Autor des Buchs „So reden Sie sich an die Spit­ze“ emp­fiehlt Stel­len­su­chern: „Wer­den Sie kon­kret, wenn es dar­um geht, was Sie für eine Stel­le qua­li­fi­ziert.“

Ähn­lich äußert sich Julia Laas, Lei­te­rin Per­so­nal­mar­ke­ting bei der Alli­anz Ver­si­che­rungs­grup­pe. Als „wenig ziel­füh­rend“ erach­tet sie eine Aus­sa­ge wie: „Mich inter­es­siert die Arbeit in Ver­si­che­run­gen.“ „Denn mich inter­es­siert auch vie­les“, sagt sie. „Des­halb mache ich es aber nicht zu mei­nem Beruf.“ Stär­ker wür­de Laas inter­es­sie­ren, was den Bewer­ber genau an der Arbeit für ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men reizt. Und war­um er sich für die Alli­anz ent­schied.

Dosiert Selbstvertrauen zeigen

Doch Vor­sicht! Manch­mal scha­det zu viel Kon­kre­ti­on. Das war bei einer jun­gen Frau der Fall, die sich bei Neher als „Assis­ten­tin der Geschäfts­füh­rung“ bewarb. Sie schrieb im Anschrei­ben: „Ich habe auf der Start­sei­te Ihrer Web­sei­te zwei Recht­schreib­feh­ler ent­deckt. Wel­che? Das sage ich Ihnen im Vor­stel­lungs­ge­spräch.“ „Die Frau müs­sen wir ein­la­den“, war die spon­ta­ne Reak­ti­on von Neher. Denn der neue Mit­ar­bei­ter soll­te auch fit in Sachen Recht­schrei­bung sein. Zudem strahl­te die­se „kecke For­mu­lie­rung“ Selbst­be­wusst­sein aus. Doch dann saß Neher der Frau gegen­über. Und er frag­te sie: „Wel­che Feh­ler haben Sie ent­deckt?“ Und es zeig­te sich: Die ver­meint­li­chen Recht­schreib­feh­ler sind gar kei­ne. Damit war das Vor­stel­lungs­ge­spräch „gelau­fen“.