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Second Life im Büro: Wertschöpfung durch einen längeren Lebenszyklus

Nach­hal­tig­keit im Büro beginnt nicht erst bei der Ent­sor­gung, son­dern mit der Fra­ge, wie lan­ge Ein­rich­tung genutzt wird und wie ihr Über­gang in eine zwei­te Nut­zung orga­ni­siert ist. Genau hier setzt die neue IBA-Bran­chen­lö­sung „newen“ an. Ste­fan Kok­kes, Geschäfts­füh­rer Indus­trie­ver­band Büro und Arbeits­welt e.V., stellt die Platt­form vor.

newen versteht sich bewusst nicht als klassischer Marktplatz, sondern als digitale Infrastruktur für definierte Rücknahme- und Weiterverwendungsprozesse. Abbildung: IBA

newen ver­steht sich bewusst nicht als klas­si­scher Markt­platz, son­dern als digi­ta­le Infra­struk­tur für defi­nier­te Rück­nah­me- und Wei­ter­ver­wen­dungs­pro­zes­se. Abbil­dung: IBA

Büro- und Objekt­mö­bel prä­gen Mate­ri­al­ein­satz, Ener­gie­ver­brauch und CO2-Bilanz von Unter­neh­men über vie­le Jah­re hin­weg. Wer Flä­chen neu zuschnei­det, Stand­or­te kon­so­li­diert oder Arbeits­wel­ten an hybri­de Model­le anpasst, trifft damit immer auch stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen in Sachen Res­sour­cen­scho­nung und ESG-Per­for­mance. Wäh­rend für Beschaf­fung und Betrieb eta­blier­te Pro­zes­se exis­tie­ren, fehl­te der Bran­che bis­lang jedoch ein stan­dar­di­sier­ter Rah­men für das Nut­zungs­en­de von Büromöbeln.

Vom linearen Einrichten zum definierten Branchenprozess

Klas­si­sche Büro­kon­zep­te fol­gen häu­fig einem linea­ren Mus­ter: pla­nen, neu kau­fen, nut­zen und beim nächs­ten Umbau gro­ße Tei­le der Ein­rich­tung aus­tau­schen. Zir­ku­lä­re Ansät­ze stel­len dage­gen den gesam­ten Lebens­zy­klus von Büro- und Objekt­mö­beln in den Mit­tel­punkt. Ziel ist es, Pro­duk­te so lan­ge wie mög­lich im Kreis­lauf zu hal­ten, ihren Nutz­wert über meh­re­re Lebens­pha­sen zu sichern und die „graue Ener­gie“ aus Her­stel­lung, Trans­port und Ent­sor­gung opti­mal zu nut­zen. Dazu gehört, Möbel von Beginn an lang­le­big, modu­lar und gut repa­rier­bar zu wäh­len und vor­han­de­ne Bestän­de als Res­sour­ce zu verstehen.

Bis­her wur­den Aus­zü­ge, Umzü­ge oder Flä­chen­rück­ga­ben meist als ein­ma­li­ge Räu­mungs­pro­jek­te orga­ni­siert. Möbel wur­den kurz­fris­tig ein­ge­la­gert, ver­teilt oder ent­sorgt – häu­fig ohne Trans­pa­renz über Men­gen, Qua­li­tä­ten und Ver­bleib. Die­ses „Pro­jekt­den­ken“ ist eine der zen­tra­len Hür­den für ech­te Kreis­lauf­wirt­schaft: Solan­ge jedes Unter­neh­men sei­nen eige­nen Weg sucht, blei­ben Poten­zia­le unge­nutzt und „Reu­se“ ist eher Zufall als Sys­tem. Genau die­se Lücke zwi­schen Nach­hal­tig­keits­an­spruch und ope­ra­ti­ver Umset­zung adres­siert newen.

 

Das Logo: newen - powered by IBA. Abbildung: IBA

Das Logo: newen - powered by IBA. Abbil­dung: IBA

Die­sen Punkt über­setzt newen im Lebens­zy­klus in einen klar defi­nier­ten, digi­ta­len Pro­zess. Unter­neh­men mel­den ihre nicht mehr benö­tig­ten Möbel über die Platt­form, idea­ler­wei­se per Foto-Upload und weni­gen Basis­an­ga­ben zu Pro­dukt, Zustand und Stand­ort. Im Hin­ter­grund wer­den die Daten mit Her­stel­ler­infor­ma­tio­nen abge­gli­chen, Pro­duk­te struk­tu­riert zuge­ord­net und qua­li­fi­ziert. Anschlie­ßend durch­lau­fen die Möbel einen mehr­stu­fi­gen Ablauf: Zuerst wer­den sie den jewei­li­gen Her­stel­lern ange­bo­ten, danach nach fes­ten Regeln an regis­trier­te Part­ner und Markt­teil­neh­mer wei­ter­ge­lei­tet. Erst wenn kei­ne Wei­ter­ver­wen­dung mög­lich ist, folgt die stoff­li­che Ver­wer­tung. newen ver­steht sich dabei bewusst nicht als klas­si­scher Markt­platz, son­dern als digi­ta­le Infra­struk­tur für defi­nier­te Rück­nah­me- und Wei­ter­ver­wen­dungs­pro­zes­se. „Kreis­lauf­wirt­schaft schei­tert heu­te sel­ten an Pro­duk­ten, son­dern häu­fig an feh­len­der Infra­struk­tur. Genau die­se Infra­struk­tur bau­en wir mit newen auf“, erklärt Phil­ipp Dicke, der die Ent­wick­lung der Platt­form begleitet.

„Wir schaf­fen damit einen gemein­sa­men Bran­chen­stan­dard für den Umgang mit Büro­aus­stat­tung am Ende ihrer Nut­zung, der Unter­neh­men Pla­nungs­si­cher­heit gibt und Res­sour­cen län­ger im Kreis­lauf hält“, fasst IBA-Vor­sit­zen­der Hel­mut Link die Ziel­set­zung von newen zusam­men. Für Unter­neh­men ent­steht erst­mals eine nach­voll­zieh­ba­re Nach­weis­füh­rung über den wei­te­ren Ver­bleib ihrer Aus­stat­tung – ein wich­ti­ger Bau­stein für ESG-Report­ing und inter­ne Steuerung.

Einsparungen bei Kosten, CO2 und Zeit

Second-Life-Möbel sind dabei ein hand­fes­ter betriebs­wirt­schaft­li­cher Hebel. Unter­neh­men, die Arbeits­plät­ze kon­se­quent mit wie­der­auf­be­rei­te­ten oder gebrauch­ten Büro­mö­beln aus­stat­ten, kön­nen ihre Inves­ti­ti­ons­kos­ten deut­lich sen­ken; je nach Aus­gangs­la­ge lie­gen die Ein­spa­run­gen im deut­lich zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich. Die frei wer­den­den Mit­tel las­sen sich in digi­ta­le Infra­struk­tur, Flä­chen­qua­li­tät oder Kul­tur- und Chan­ge-Pro­jek­te reinvestieren.

Mit newen wurde eine branchenübergreifende Infrastruktur zur Abwicklung des Nutzungsendes von Büroausstattung geschaffen. Abbildung: IBA

Mit newen wur­de eine bran­chen­über­grei­fen­de Infra­struk­tur zur Abwick­lung des Nut­zungs­en­des von Büro­aus­stat­tung geschaf­fen. Abbil­dung: IBA

Gleich­zei­tig ver­bes­sert sich die öko­lo­gi­sche Bilanz. Jede ver­mie­de­ne Neu­an­schaf­fung redu­ziert den Res­sour­cen­ver­brauch und die Emis­sio­nen, die in der Pro­duk­ti­on neu­er Möbel und deren Logis­tik ent­ste­hen. Ver­län­ger­te Nut­zungs­dau­ern und Refur­bis­hing zah­len damit direkt auf die Scope-3-Emis­sio­nen der Büro­be­trei­ber ein, die in der ESG-Bericht­erstat­tung zuneh­mend in den Fokus rücken. Ein wei­te­rer Vor­teil ist die Ver­füg­bar­keit: Bestands­mö­bel aus einer Infra­struk­tur wie newen kön­nen häu­fig inner­halb weni­ger Tage oder Wochen bereit­ge­stellt wer­den. Das beschleu­nigt Umzü­ge und Reor­ga­ni­sa­tio­nen erheb­lich und redu­ziert pro­duk­ti­ve Ausfallzeiten.

Bestandsmöbel in Projekten und Ausschreibungen

Mit stei­gen­den ESG-Anfor­de­run­gen, CO2-Zie­len und wach­sen­dem Kos­ten­druck rücken Bestands­mö­bel stär­ker in den Fokus von Pla­nung und Beschaf­fung. Immer häu­fi­ger defi­nie­ren Unter­neh­men und öffent­li­che Auf­trag­ge­ber einen Min­dest­an­teil wie­der­ver­wen­de­ter oder instand­ge­setz­ter Möbel in ihren Pro­jek­ten, um öko­lo­gi­sche und öko­no­mi­sche Ziel­grö­ßen mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Reu­se und Instand­set­zung wer­den damit von der Aus­nah­me zur vor­aus­ge­setz­ten Opti­on – vor­aus­ge­setzt, Ver­füg­bar­keit und Qua­li­tät las­sen sich zuver­läs­sig nachweisen.

Hier­für schafft newen die Grund­la­ge, indem Bestän­de trans­pa­rent, qua­li­fi­ziert und pro­jekt­fä­hig gemacht wer­den. Pla­ner kön­nen über die Infra­struk­tur auf geprüf­te Second-Life-Möbel zugrei­fen und die­se gezielt in ihre Kon­zep­te inte­grie­ren, etwa indem defi­nier­te Flä­chen­be­rei­che mit Bestands­mö­beln aus­ge­stat­tet und nur Ergän­zun­gen oder Spe­zi­al­lö­sun­gen als Neu­pro­duk­te beschafft wer­den. So lässt sich ein gefor­der­ter Gebraucht­mö­bel­an­teil struk­tu­riert umset­zen, statt ihn im Ein­zel­fall impro­vi­sie­ren zu müs­sen. Gleich­zei­tig behal­ten Unter­neh­men den Über­blick, denn Men­gen­ge­rüs­te, Qua­li­tä­ten, Zeit­fens­ter und Ver­wer­tungs­pfa­de wer­den digi­tal doku­men­tiert. Ein ent­schei­den­der Aspekt, damit Kreis­lauf­mo­del­le im Kern­ge­schäft ankom­men und nicht als „Side Pro­ject“ laufen.

Niederlande als Blick in die Zukunft

Wie stark Refur­bish in Aus­schrei­bun­gen ver­an­kert sein kann, zeigt ein Blick in die Nie­der­lan­de. Dort zäh­len zir­ku­lä­re Beschaf­fungs­stra­te­gien längst zu den poli­ti­schen Leit­plan­ken und öffent­li­che Auf­trag­ge­ber sind ver­pflich­tet, Wie­der­ver­wen­dung und ande­re R-Stra­te­gien wie Refur­bish sys­te­ma­tisch zu berück­sich­ti­gen. In gro­ßen Pro­jek­ten wer­den fes­te Quo­ten dafür aus­ge­schrie­ben und gebrauch­te Möbel kon­kur­rie­ren gleich­be­rech­tigt mit Neuware.

Dadurch ist ein eigen­stän­di­ger Markt für refur­bis­hed Büro­mö­bel ent­stan­den, in dem Pro­duk­te, die frü­her ver­nich­tet wor­den wären, erneut ein­ge­setzt wer­den. Die Ent­wick­lung zeigt, dass Refur­bish und Reu­se kei­ne Nischen­seg­men­te blei­ben müs­sen, wenn Ver­ga­be­pra­xis, Markt­struk­tu­ren und digi­ta­le Infra­struk­tur zusam­men­spie­len. newen lie­fert die tech­ni­sche Grund­la­ge, um ähn­li­che Model­le auch im deut­schen Markt ska­lier­bar zu machen.

Zirkuläre Bürokonzepte stellen den gesamten Lebenszyklus von Büro- und Objektmöbeln in den Mittelpunkt. Abbildung: IBA

Zir­ku­lä­re Büro­kon­zep­te stel­len den gesam­ten Lebens­zy­klus von Büro- und Objekt­mö­beln in den Mit­tel­punkt. Abbil­dung: IBA

R-Strategien und Daten als Hebel

Fach­lich betrach­tet grei­fen bei all dem die bekann­ten R-Stra­te­gien der Kreis­lauf­wirt­schaft: ver­mei­den, über­den­ken, ver­rin­gern, wie­der­ver­wen­den, repa­rie­ren, instand­set­zen, wie­der­auf­ar­bei­ten, umnut­zen, recy­celn oder Ener­gie zurück­ge­win­nen. Für die Büro­mö­bel­bran­che bedeu­tet das, Pro­duk­te so zu ent­wi­ckeln, dass sie im ers­ten, zwei­ten und drit­ten Lebens­zy­klus funk­tio­nie­ren – mit modu­la­ren Kon­struk­tio­nen, aus­tausch­ba­ren Kom­po­nen­ten und sor­ten­rei­nen Materialien.

Die Platt­form newen schließt die Lücke zwi­schen die­sem Design­an­satz und der kon­kre­ten Umset­zung im Pro­jekt­ge­schäft, indem Bestän­de sicht­bar gemacht, qua­li­fi­ziert und in plan­ba­re Ange­bo­te über­führt wer­den. Gleich­zei­tig ent­steht eine gemein­sa­me Daten­ba­sis über Men­gen­strö­me, Pro­dukt­le­bens­dau­ern und Ver­wer­tungs­pfa­de von Büro­aus­stat­tung. Die­se Infor­ma­tio­nen sind nicht nur für ein­zel­ne Unter­neh­men rele­vant, son­dern auch für Her­stel­ler, die ihre Pro­duk­te zir­ku­lä­rer gestal­ten wol­len, sowie für Poli­tik und Ver­wal­tung, die regu­la­to­ri­sche Rah­men­be­din­gun­gen wei­ter­ent­wi­ckeln. newen fun­giert damit als digi­ta­le Infra­struk­tur, die Geschäfts­mo­del­le, Nach­hal­tig­keits­zie­le und prak­ti­sche Abläu­fe mit­ein­an­der verknüpft.

Fazit: Second Life als New Normal

Second Life im Büro bedeu­tet mehr, als „gebrauch­te Möbel zu ret­ten“. Es geht dar­um, das Nut­zungs­en­de von Büro­aus­stat­tung als regu­lä­ren, stan­dar­di­sier­ten Pro­zess zu ver­ste­hen und Bestands­mö­bel zu einem fes­ten Bestand­teil von Pro­jek­ten und Aus­schrei­bun­gen zu machen. Mit newen stellt der IBA der Bran­che dafür erst­mals eine gemein­sa­me Infra­struk­tur zur Ver­fü­gung. So ent­steht Schritt für Schritt ein neu­er Bran­chen­stan­dard, in dem hoch­wer­ti­ge Second-Life-Möbel selbst­ver­ständ­lich Teil moder­ner Arbeits­wel­ten werden.

Stefan Kokkes, Geschäftsführer, Industrieverband Büro und Arbeitswelt e.V. iba.online. Abbildung: IBA

Abbil­dung: IBA

Ste­fan Kokkes,

Geschäfts­füh­rer,
Indus­trie­ver­band Büro und Arbeits­welt e.V.

iba.online

 

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