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Coworking-Spaces: Woran es oft scheitert

Die Workspace-Platt­form One Cowor­king hat über 80.000 öffent­li­che Goog­le-Bewer­tun­gen zu euro­päi­schen Cowor­king-Spaces sowie rea­le Ange­bots­prei­se für Büros aus­ge­wer­tet. Chris­toph Fah­le, Grün­der und CEO von One Cowor­king, stellt die Ergeb­nis­se vor.

Das meistdiskutierte Thema in Coworking-Bewertungen ist nicht der Schreibtisch, das WLAN oder der Kaffee, es sind Personal und Betreiber. Abbildung: 4pmphoto@gmail.com, Depositphotos

Das meist­dis­ku­tier­te The­ma in Cowor­king-Bewer­tun­gen ist nicht der Schreib­tisch, das WLAN oder der Kaf­fee, es sind Per­so­nal und Betrei­ber. Abbil­dung: 4pmphoto@gmail.com, Depositphotos

Als Mit­be­grün­der des Ber­li­ner Cowor­king-Spaces Beta­haus ken­ne ich den Markt seit über 15 Jah­ren von bei­den Sei­ten: erst als Betrei­ber, heu­te mit One Cowor­king als neu­tra­ler Platt­form. Unse­re Ana­ly­se soll­te drei Fra­gen mit belast­ba­ren Zah­len statt Bauch­ge­fühl  beant­wor­ten: Was lie­ben Mit­glie­der an einem Space wirk­lich? Was treibt sie wie­der hin­aus? Und was kos­tet ein Arbeits­platz tat­säch­lich? Dafür haben wir 82.074 öffent­li­che Goog­le-Bewer­tun­gen aus 1.351 Cowor­king-Spaces in ganz Euro­pa nach The­men aus­ge­wer­tet und sie mit über 1.200 rea­len Ange­bots­prei­sen für Büros aus sie­ben Städ­ten zusam­men­ge­bracht. Tat­säch­lich hat mich die Aus­wer­tung an einer Stel­le sogar überrascht.

Geliebt wird das Menschliche, nicht das Bauliche

Das meist­dis­ku­tier­te The­ma in Cowor­king-Bewer­tun­gen ist nicht der Schreib­tisch, nicht das WLAN und nicht der Kaf­fee. Es sind die Men­schen. Per­so­nal und Betrei­ber tau­chen 8.657-mal auf – häu­fi­ger als jedes ande­re The­ma – und das zu 91,6 Pro­zent posi­tiv. Noch höher in der posi­ti­ven Bewer­tung lie­gen Com­mu­ni­ty und Events (je 98,9 Pro­zent), die Lage (98 Pro­zent) und die Atmo­sphä­re (97,3 Pro­zent bei 7.589 Erwäh­nun­gen). Was Mit­glie­der also wirk­lich an einen Space bin­det, lässt sich nicht möblie­ren. Es ist Gastgeberqualität.

Was die Leute am meisten lieben – Community, Personal, Atmosphäre – und weswegen sie wieder gehen: Lärm, Preis und Türen. Abbildung: One Coworking

Was die Leu­te am meis­ten lie­ben – Com­mu­ni­ty, Per­so­nal, Atmo­sphä­re – und wes­we­gen sie wie­der gehen: Lärm, Preis sowie Zugäng­lich­keit. Abbil­dung: One Coworking

Drei Punkte, an denen es oft scheitert

So ein­deu­tig die Lie­be zum Mensch­li­chen ist, so ein­deu­tig sind auch die Deal-Kil­ler – und sie sind struk­tu­rel­ler Natur. Erreich­bar­keit und Zugang kom­men auf nur 51,9 Pro­zent posi­ti­ve Stim­mung, den mit Abstand nied­rigs­ten Wert von allen. Es fol­gen der Preis (63,8 Pro­zent; bei 1.057 Erwäh­nun­gen 377-mal nega­tiv) und Lärm bezie­hungs­wei­se feh­len­der Fokus (75,2 Pro­zent). Die ehr­li­che Erkennt­nis nach Jah­ren auf der Betrei­ber­sei­te: Was Men­schen am meis­ten schät­zen – Com­mu­ni­ty, Per­so­nal, Atmo­sphä­re – kön­nen gute Anbie­ter ohne­hin. Die Rei­bung sitzt im mecha­nisch Lös­ba­ren: ein kla­re­rer Ein­gang, ein wirk­lich ruhi­ger Raum, ein trans­pa­ren­ter Preis. Das ist kei­ne Kri­tik, son­dern eine To-do-Liste.

Der Preis pro Schreibtisch hängt vom Anbietertyp ab, nicht von der Teamgröße. Abbildung: One Coworking

Der Preis pro Schreib­tisch hängt vom Anbiet­ertyp ab, nicht von der Team­grö­ße. Abbil­dung: One Coworking

Was ein Schreibtisch wirklich kostet

Im zwei­ten Teil haben wir ech­te Ange­bots­prei­se pro Arbeits­platz aus­ge­wer­tet – als Medi­an in Euro pro Schreib­tisch und Monat. Hin­ter jedem Wert ste­hen min­des­tens zehn rea­le Ange­bo­te, ohne dass ein Anbie­ter genannt wird. Das Bild für Deutsch­land: Mün­chen ist mit 683 Euro der teu­ers­te gro­ße Stand­ort, gefolgt von Ham­burg (630 Euro), Düs­sel­dorf (623 Euro) und Frank­furt am Main (580 Euro). Ber­lin ist mit 499 Euro der Preis-Leis­tungs-Sie­ger – und hat zugleich die größ­te Daten­ba­sis. Spa­ni­en liegt deut­lich dar­un­ter: Madrid 420 Euro, Bar­ce­lo­na 400 Euro. Das heißt nicht, dass irgend­wo zu viel ver­langt wird. Eine Adres­se in Mün­chen und eine in Bar­ce­lo­na sind schlicht unter­schied­li­che Produkte.

Deutschland-Vergleich: München ist der teuerste Standort. In Berlin sind Flex-Offices am günstigsten. Abbildung: One Coworking

Deutsch­land-Ver­gleich: Mün­chen ist der teu­ers­te Stand­ort. In Ber­lin sind Flex-Offices am güns­tigs­ten. Abbil­dung: One Coworking

Der Preis hängt vom Anbietertyp ab – nicht von der Teamgröße

Der über­ra­schends­te Befund steckt im Detail. Auf den ers­ten Blick sinkt der Preis pro Schreib­tisch mit der Team­grö­ße: von rund 690 Euro für ein bis drei Plät­ze auf etwa 480 Euro ab 16 Plät­zen. Es wäre ver­lo­ckend, das einen „Klein­team-Auf­schlag“ zu nen­nen. Doch wir haben gegen­ge­prüft: Inner­halb des­sel­ben Cowor­king-Spaces bringt mehr Flä­che nur fünf bis neun Pro­zent Rabatt pro Schreib­tisch. Der eigent­li­che Trei­ber ist der Anbie­ter­mix. Die güns­tigs­ten Plät­ze (rund 250 bis 360 Euro) sind gro­ße Flä­chen bei Groß­an­bie­tern; die teu­ers­ten klei­nen Büros lie­gen bei Pre­mi­um- und Ser­viced-Office-Anbie­tern, oft bei 700 bis 1.200 Euro pro Schreib­tisch. Für klei­ne Teams heißt das: Die nied­rigs­ten Prei­se pro Schreib­tisch sind fak­tisch nicht ver­füg­bar – sie kom­men nur als gro­ße Flä­che, die man nicht braucht.

Was das für die Praxis bedeutet

Für Suchen­de und Office-Ver­ant­wort­li­che: Bench­mar­ken Sie in Ihrer Grö­ßen­klas­se, nicht gegen eine „Ab X Euro“-Schlagzeile. Die­se bezieht sich fast immer auf eine gro­ße Flä­che bei einem Groß­an­bie­ter. Lesen Sie Bewer­tun­gen auf Signa­le zu Per­so­nal, Com­mu­ni­ty, Atmo­sphä­re hin, nicht nur mit Blick auf die Fotos. Und tes­ten Sie die Deal-Kil­ler vor der Unter­schrift: Gibt es wirk­lich einen ruhi­gen Bereich? Ist der Zugang ein­fach? Ist der All-in-Preis klar?

Für Betrei­ber und Eigen­tü­mer: Ihre Stär­ke liegt dort, wo die Bewer­tun­gen am bes­ten sind. Den Unter­schied machen heu­te nicht noch mehr Design­mö­bel aus, son­dern der Ein­gangs­be­reich, der Fokus­raum und ein ehr­li­cher Preis.

Zur Ein­ord­nung: Hier­bei han­delt es sich um einen Trans­pa­renz-Bench­mark, nicht um eine Erspar­nis-Behaup­tung. Alle Bewer­tungs­da­ten flie­ßen nur agg­re­giert ein. Jeder ver­öf­fent­lich­te Preis-Medi­an beruht auf min­des­tens zehn ech­ten Ange­bo­ten. Kein Anbie­ter und kein Ein­zel­preis wird genannt. Der Markt ist absicht­lich intrans­pa­rent – gro­ße Ket­ten ver­öf­fent­li­chen sel­ten Detail­prei­se, klei­ne­re Anbie­ter schon. Genau die­se Asym­me­trie ist der Grund, war­um ein neu­tra­ler Bench­mark hilft.

Christoph Fahle hat in über 17 Jahren mehr als 100.000 Unternehmen beim Umstieg auf Flex-Spaces begleitet. Seit 2022 ist der einstige Co-Founder und CEO der Coworking-Kette betahaus, die sich aus dem ersten größeren Coworking-Space in Deutschland heraus entwickelt hat, Co-Founder und CEO von One Coworking, dem führenden Coworking & Flex Space Marketplace in Deutschland. Abbildung: Sara Herrlander

Abbil­dung: Sara Herrlander

Chris­toph Fah­le,

Grün­der & CEO,
One Coworking.

onecoworking.com

 

 

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