Emo­tio­nen schei­nen in der Arbeits­welt fehl am Platz. War­um das nicht mehr zeit­ge­mäß ist und wel­che posi­ti­ven Effek­te sich aus mehr Emo­tio­na­li­tät zie­hen las­sen, beschreibt die Bera­te­rin Amel Laria­ni.

Emotionalität kann eine Arbeitskultur des Vertrauens begünstigen. Abbildung: Pexels

Emo­tio­na­li­tät kann eine Arbeits­kul­tur des Ver­trau­ens begüns­ti­gen. Abbil­dung: Pexels

Mit trä­nen­er­stick­ter Stim­me ent­schul­dig­te er sich bei mir. Er wisch­te sich die Trä­nen aus dem Gesicht, als ob er die emo­tio­na­len Spu­ren ver­ban­nen woll­te. Mit sanf­ter Stim­me erklär­te ich ihm, dass er sich nie­mals für sei­ne Emo­tio­nen ent­schul­di­gen oder schä­men soll­te. Für ihn war die­ser Moment gleich­be­deu­tend mit Schwä­che. Sein Umgang mit Emo­tio­nen war mir nicht fremd, im Gegen­teil. Lei­der ist das noch der All­tag in vie­len Bran­chen und vor allem in der Füh­rung.

Rationales Denken regiert

In Unter­neh­men geht es um betriebs­wirt­schaft­li­che Kenn­zah­len, Fak­ten und sach­li­che Argu­men­te. Aus der unter­neh­me­ri­schen His­to­rie her­aus ist die Gewinn­ma­xi­mie­rung das über­ge­ord­ne­te Ziel. Der Mensch wur­de objek­ti­fi­ziert, um über Leis­tung und Effi­zi­enz Zie­le zu errei­chen. Füh­rung in schwie­ri­gen Situa­tio­nen wird aktu­ell meist über Domi­nanz gelöst, die sich in Macht­de­mons­tra­tio­nen äußern kann. Der radi­ka­le Umbruch des Arbeits­markts, bedingt durch unter­schied­li­che Trei­ber, erfor­dert die Wei­ter­ent­wick­lung von Unter­neh­mens- und Füh­rungs­kul­tu­ren.

Die doppelte Subjektivierung

Durch das Bedürf­nis nach Selbst­ver­wirk­li­chung, Auto­no­mie und sinn­haf­ter Tätig­keit erstarkt das Inter­es­se am Men­schen als Sub­jekt in der Arbeits­welt. Sub­jek­ti­vie­rung bedeu­tet zum einen, dass die Ansprü­che der Arbeit­neh­mer an ihre Arbeit gestie­gen sind, und zum ande­ren, dass sich Unter­neh­men ver­mehrt mit der Nut­zung sub­jek­ti­ver Fähig­kei­ten ihrer Mit­ar­bei­ter befas­sen. Kul­tur­wan­del bedeu­tet unter ande­rem, die ent­spre­chen­den Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, in denen der Ein­zel­ne moti­viert ist, sich aktiv am Unter­neh­mens­er­geb­nis zu betei­li­gen. Die Unter­neh­mens­steue­rung ver­än­dert sich immer mehr zu Pro­jekt­ar­beit, Arbeit­neh­mer wer­den ver­mehrt auf­ge­for­dert, in Teams zu koope­rie­ren.

Emotionen schaffen Vertrauen

Wenn eine emo­tio­na­le Ver­bin­dung zwi­schen Kol­le­gen und über Hier­ar­chi­en hin­weg besteht, begüns­tigt dies eine Ver­trau­ens­kul­tur. Ver­trau­en schafft in ers­ter Linie Dyna­mik. Für Men­schen, die ein­an­der gut ken­nen und akzep­tie­ren, ist es leich­ter, gemein­sa­me Zie­le zu errei­chen. Das funk­tio­niert nur, wenn Füh­rungs­kräf­te die emo­tio­na­len Signa­le ihrer Mit­ar­bei­ter erken­nen und auch die eige­nen Emo­tio­nen in ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­be­zie­hen. Das stei­gert die Glaub­wür­dig­keit und ist Basis für eine offe­ne Feh­ler- und Feed­back­kul­tur.

Emo­tio­na­li­tät zu för­dern, geht über eine men­schen­ori­en­tier­te Hal­tung: Den Sinn der Arbeit im Kon­text des Unter­neh­mens­er­fol­ges zu ver­mit­teln, die Leis­tung der Mit­ar­bei­ter zu wür­di­gen, Poten­zia­le zu erken­nen und zu för­dern, infor­mel­le Gesprä­che zu füh­ren und gedul­di­ges Zuhö­ren. Die simp­le Fra­ge, wel­che Arbeit Spaß macht, eröff­net die Mög­lich­keit, Arbeit nach Eig­nung und Nei­gung zu ver­tei­len. Spaß kann auch durch Spie­len geför­dert wer­den. Spie­len wirkt sich posi­tiv auf die Lebens­freu­de aus, ist eine will­kom­me­ne Abwechs­lung und ver­bin­det.

Amel LarianiAmel Laria­ni,

Dozen­tin, Bera­te­rin, Coach und Inha­be­rin,

Embo­dyment Gui­de.