Beschreibung
OFFICE HISTORY. 111 Meilensteine der Bürogeschichte
Robert Nehring,
PRIMA VIER Nehring Verlag,
Berlin 2026,
448 Seiten, 19,8 x 25,5 cm,
ISBN 978-3-00-088800-7 (Hardcover mit Leineneinband, Leseband und 1.035 Abbildungen).
Das Büro befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Seit etwa 25 Jahren gleicht seine Entwicklung keiner Evolution mehr, sondern einer Revolution. Im dritten Jahrtausend entwickelt sich die Bürowelt mit Höchstgeschwindigkeit. Sie erlebt eine Transformation, die nahezu alles ändert. Sogar das – physische – Büro selbst könnte verschwinden. Zeit für einen Rückblick, denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten (A. Bebel).
Dr. Robert Nehring ist Chefredakteur des Fachmagazins OFFICE ROXX und schreibt seit rund 30 Jahren über die Welt der Büros. In dieser Zeit hat er viel Material zu deren Historie gesammelt. In diesem Buch erscheint, was er in Erfahrung bringen konnte und ihm bemerkenswert erschien. OFFICE HISTORY ist eine Geschichte der Bürolösungen, der Büroarbeit und der Bürobeschäftigten, ergänzt um interessante Hintergründe, kuriose Fakten und – „Bürofeiertage“. Im ersten Teil wird die Entwicklung des Büros anhand von 111 Meilensteinen dargestellt. Der zweite Teil beleuchtet den Werdegang von 27 bedeutenden Unternehmen der Bürobranche, zum Beispiel von 3M, Apple, Bene, Brother, Edding, Microsoft, Soennecken, Staedtler, Vitra, Wilkhahn und Xerox. Der dritte Teil enthält neben dem Literaturverzeichnis sowie einem Personen- und einem Unternehmensregister auch Übersichten zu den Entstehungsjahren bedeutender Bürolösungen und den Gründungsjahren von Unternehmen der Büroindustrie.
Die Wurzeln des Büros reichen für Robert Nehring mehr als 5.000 Jahre in die Vergangenheit. Bereits in den Archiven der Antike – den Tabularien und Bibliotheken – wurden Schriftstücke nicht nur aufbewahrt, sondern auch erstellt. Dazu war Teamarbeit nötig, passende Räumlichkeiten und die nötigen Arbeitsmittel. Die Entwicklung setzte sich über die Skriptorien im Mittelalter, die beurkundenden Kanzleien und die Kontore der Kaufleute bis hin zu den aktivitätsbasierten Wohlfühlbüros fort, die heute mit dem Homeoffice und sogenannten dritten Orten konkurrieren.
Die Geschichte des Büros ist reich an interessanten Fakten. Viele wissen, dass ihr Bleistift kein Blei enthält, dass der Computer eine deutsche Erfindung ist, Mobiltelefone früher in schweren Koffern getragen wurden und es das @-Zeichen schon vor der E-Mail gab. Auch die Erfolgsstory von Apple ist heute weitgehend bekannt. OFFICE HISTORY stellt diese Sachverhalte dar, beleuchtet die Hintergründe und ordnet ihre Bedeutung ein. Leser erfahren, dass mit Telegraf und Fernschreiber kommuniziert wurde, bevor man faxte, wie die Buchstabenfolge QWERTZ auf ihre Tastaturen kam und warum sie dort überdauert hat. Wofür die rote und wofür die blaue Seite des Radiergummis gedacht ist und was passiert, wenn man das Plättchen im Heftgerät verstellt.
Gezeigt wird unter anderem, inwiefern der meistverkaufte Kugelschreiber der Welt Leben retten kann, dass zu jedem Büro lange Zeit ein Spucknapf gehörte und dass die falsche Nutzung von Papierkörben für viele Brände sorgte, weshalb man sie dann aus Metall fertigte. Zudem, dass das Telefon ursprünglich für Gehörlose und die Schreibmaschine für Blinde entwickelt wurde. Dass Thomas Alva Edison nicht die Glühlampe, sondern das Diktiergerät erfunden hat. Weshalb Kopierstifte eine große Gesundheitsgefahr darstellten, die Büroklammer während der deutschen Besatzung in Norwegen als Symbol des Widerstands getragen wurde sowie, dass das Bügelbrett während der pandemiebedingten Homeoffice-Zeit zur Alternative für den Sitz-Steh-Schreibtisch avancierte.
Die Geschichte des Büros beinhaltet wunderbare Geschichten, Robert Nehring erzählt sie. Zwei Beispiele: Hirten im heutigen Äthiopien sollen um das Jahr 850 herum bemerkt haben, dass ihre Schafe nicht mehr zur Ruhe kamen, wenn sie die Kirschen eines bestimmten Strauches gefressen hatten. So soll der Kaffee, der Zaubertrank der Office-Worker, entdeckt worden sein. Der Absatz von Schreibmaschinen kam in den 1870er-Jahren nur schleppend voran. Unverhofft wurde er aber durch Maschinenschreibkurse für Frauen angekurbelt. Als entsprechend qualifizierte Fachkräfte zogen diese dann endlich auch ins Büro ein. Bald stiegen sie auf zu Sekretärinnen und Expertinnen, später auch zu Chefinnen. Einige von ihnen schufen Meilensteine der Bürogeschichte. Melitta Bentz erfand den bis heute verwendeten Kaffeefilter. Margarete Klöber machte den Gesundheitsstuhl Polstergleich zu einem Verkaufsschlager. Die alleinerziehende Chefsekretärin Bette Nesmith Graham rührte in ihrer Küche eine Korrekturflüssigkeit zusammen, die zum Marktführer wurde. Und ohne die Teilzeitsekretärin Grace Scurr hätten wir wohl noch nie vom Filofax gehört.
In OFFICE HISTORY werden auch viele Rekorde präsentiert, darunter ein 335 Meter langer Schreibtisch, ein 30 Meter großer Bleistift und eine Kaffeemaschine, die eine Million US-Dollar kostete. Leserinnen und Leser erfahren, inwiefern die Mönchskutte von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Büros war, worauf Goethe, Darwin, Freud und Wilhelm II. bei der Schreibarbeit saßen, dass man vor 100 Jahren im Zug telefonieren konnte und dass die Rohrpost noch heute genutzt wird. Der Autor wirft auch hier und da einen Blick auf die Bürogeschichte der DDR. Dort litt man unter „Erichs Krönung“ und es gab keine speziellen Büromöbelmarken, dafür wurden eigene Computer und sogar ein eigenes Mobiltelefon produziert.
Das Büro wird traditionell als Nischenthema behandelt. Jedoch mag das vielleicht Anfang des 20. Jahrhunderts berechtigt gewesen sein, als im Deutschen Kaiserreich nur drei Prozent aller Beschäftigten in einem arbeiteten. Heute ist etwa jeder zweite Beschäftigte hierzulande ein Office-Worker. Viele von ihnen verbringen ein Drittel des Tages mit Büroarbeit und manche sehen ihre Office-Kollegen länger als ihre Familie. Büro ist heute überall. Überall dort, wo Tätigkeiten ausgeübt werden, denen früher ausschließlich im Corporate Office nachgegangen wurde.
Hier finden Sie eine Leseprobe.



















































