Office-Entscheider und Führungskräfte sind häufig mit Beschwerden über zu trockene Luft konfrontiert. Durch eine Gefährdungsbeurteilung kann das unsichtbare Risiko durch zu trockene Luft am Arbeitsplatz sichtbar werden, sagt Dominic Giesel von Condair.

Office-Entscheider stehen zunehmend vor der Herausforderung, nicht nur funktionale, sondern auch gesundheitsfördernde Bedingungen zu schaffen. Ein Aspekt, der dabei häufig unterschätzt wird, ist die Luftfeuchtigkeit. Unsere Atemluft ist ein Lebensmittel. Doch wenn sie zu trocken wird, kann auch Luft gefährlich werden. Beschwerden über trockene Raumluft sind in vielen Büros verbreitet mit negativen Folgen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Obwohl die Luftfeuchtigkeit ein elementarer Bestandteil der Arbeitsumgebung ist – vergleichbar mit Temperatur, Akustik und Licht – ist in den Regeln des Arbeitsschutzes eine Mindestluftfeuchte bisher nicht verbindlich geregelt.
Atemwegsinfekte
Die Übertragung von Viren, deren Lebensdauer und die Immunabwehr wird maßgeblich auch durch die relative Luftfeuchtigkeit am Arbeitsplatz beeinflusst. Das geringste Übertragungsrisiko herrscht bei einer Mindestluftfeuchte von 40 bis 60 Prozent. Dies ist auch der Bereich, der Atemwege, Stimme, Augen und Haut am besten schützt. Bei einer zu geringen Luftfeuchte mit einem relativen Feuchteanteil unter 40 Prozent überleben Viren länger und bleiben länger ansteckend. In trockener Raumluft können Keimtröpfchen durch Wasserabgabe auf unter ein Mikrometer schrumpfen und bleiben tagelang schwebefähig. Durch Viren übertragene Atemwegsinfekte (Influenza, Corona, RSV usw.) können sich so beispielsweise in einem Großraumbüro häufiger und länger verbreiten.

Geringere Immunabwehr
Der Mensch ist Angriffen von Viren nicht schutzlos ausgeliefert: Im Atemtrakt schützen uns die Schleimhäute durch ihre Selbstreinigungsfunktion vor Infektionen. Mit sinkender Luftfeuchtigkeit verliert jedoch der Abtransport der Krankheitserreger an Wirksamkeit. Bei geringer Luftfeuchte führt die zunehmende Viskosität der Schleimhäute zu einer Blockade der Immunabwehr. Sinkt die relative Luftfeuchte auf 20 Prozent, kommt der Selbstreinigungsprozess zum Stillstand. Untersuchungen zeigen, dass die höchste Transportgeschwindigkeit und damit das geringste Ansteckungsrisiko bei 45 Prozent Luftfeuchte besteht.
Stimme und Augen
Für die Vorbeugung vor Stimmerkrankungen ist eine ausreichende Befeuchtung der Schleimhäute des Stimmapparats notwendig. Ist die Luftfeuchte zu niedrig, verlieren die Schleimhäute der Stimmlippen ihre Elastizität. Heiserkeit, Husten und schlimmstenfalls das Wegbleiben der Stimme sind die Folgen. Geschwollene Augenlider, Fremdkörpergefühl und hohe Lichtempfindlichkeit sind ebenfalls häufig ein Indikator für zu geringe Luftfeuchte. Ein optimaler, intakter Tränenfilm hat die Aufgabe, die Augenoberfläche vor Einwirkungen aus der Umwelt zu schützen. Ist die Luftfeuchte länger andauernd zu gering, kann der Tränenfilm reißen. Die Folgen sind eine zunehmende Reizung, Augenbrennen und bei schweren Verlaufsformen Entzündungen und ernsthafte Augenschäden.

Gefährdungsbeurteilung
Eine betriebliche Gefährdungsbeurteilung bietet Office-Entscheidern die Möglichkeit, gezielt auf Beschwerden zu reagieren und Verbesserungen einzuleiten. Sie beginnt mit regelmäßigen Messungen der relativen Luftfeuchte über längere Zeiträume. Auf Basis dieser Daten erfolgt eine Risikoanalyse, aus der konkrete Ziele abgeleitet werden. Die anschließenden Maßnahmen orientieren sich am sogenannten TOP-Prinzip: Technische Lösungen stehen an erster Stelle, gefolgt von organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen. Als wirksame Schutzmaßnahmen gelten insbesondere technische Lösungen wie die zusätzliche Luftbefeuchtung, die sich auch nachträglich in bestehende Bürogebäude integrieren lässt. Die Umsetzung einer Gefährdungsbeurteilung zur Luftfeuchtigkeit erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Akteure im Unternehmen. Wichtige Ansprechpartner für Office-Entscheider sind die Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Sicherheitsbeauftragte, Betriebsärzte, Betriebsräte und das Facility-Management.
Erfolgreiche Umsetzung
Die Berücksichtigung der Luftfeuchtigkeit in einer Gefährdungsbeurteilung ist ein fortlaufender Prozess. Voraussetzung für das Gelingen ist, dass die Relevanz der Luftqualität im Unternehmen generell verankert und eine kontinuierliche Umsetzungsstrategie zur Verbesserung realisiert wird. Dabei sollte vor allem auch die Mitwirkung der Mitarbeitenden gefördert, Wissen vermittelt und wertschätzend kommuniziert werden. Eine ganzjährig optimale Luftfeuchte kann dadurch ein wichtiger Beitrag zur Prävention und zur Förderung der Leistungsfähigkeit werden, der gleichzeitig die Attraktivität des Arbeitgebers stärkt und zur langfristigen Bindung der Mitarbeitenden beitragen kann.
![]() Dominic Giesel Leiter Marketing DRS, |
Literaturtipp:
Informationen zur Luftbefeuchtung und ein Leitfaden zur Gefährdungsbeurteilung kann hier kostenfrei angefordert werden.

