Februar 2021. Elektrisch höhenverstellbare Schreibtische sind heute auch hierzulande in vielen Büros anzutreffen. Sogar im Homeoffice sind die Sitz-Steh-Kombinationen immer öfter anzutreffen. Doch woher kam die Idee zu einem motorisch höhenverstellbaren Arbeitsplatz? Die Firma Linak hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass in Büros abwechselnd im Sitzen und Stehen gearbeitet wird.

Auf Knopfdruck fährt der Schreibtisch nach oben, und es kann im Stehen gearbeitet werden. Was heute in vielen Büros auf der ganzen Welt normal ist, war in den 1990er-Jahren keineswegs selbstverständlich. Anfangs gab es einige CAD-Schreibtische, die sich pneumatisch oder hydraulisch in der Höhe verstellen ließen. Wer noch weiter in der Geschichte zurückgeht, stößt auf das Jahr 1910. In diesem brachte die deutsche Firma Reiss den ersten höhenverstellbaren Schreibtisch auf den Markt. Natürlich war er ebenso wenig per Knopfdruck verstellbar wie die CAD-Arbeitstische in den 1990er-Jahren.

„Das muss doch einfacher zu machen sein“, dachten sich einige Ingenieure aus Deutschland und Dänemark. Federführend bei der Entwicklung war die dänische Fima Linak. Die Spezialisten für elektrische Linear-Verstellsysteme holten sich zusätzliche Unterstützung ins Haus, und zwar mit den Experten für Beschläge und Führungen aus dem deutschen Unternehmen Grüttner.

Die Experten aus Dänemark hatten mit ihren elektrischen Verstellsystemen große Erfolge im Bereich des Gesundheitswesens erzielt. Die Möglichkeit, Krankenhaus- und Pflegebetten elektrisch zu verstellen, hatte den Workflow für das Pflegepersonal wesentlich ergonomischer gemacht – getreu dem Linak-Motto: „We improve your life.“ Die Idee, die Höhe eines Tisches elektrisch zu verstellen, faszinierte die Techniker bei Linak.

Nachdem alle konstruktiven Herausforderungen gemeistert waren, wurden die ersten höhenverstellbaren Arbeitstische mit Linak-Technik auf den Markt gebracht. Der Erfolg blieb nicht aus. Vor allem CAD-Tische wurden mit der elektrischen Höhenverstellung ausgestattet. Dies war der Startschuss für eine neue Art des Arbeitens, nämlich des Wechsels zwischen Sitzen und Stehen.

Weiterentwicklung des Hebeantriebs

In den folgenden Jahren führte Linak weitere Verbesserungen ein, um das Heben von Schreibtischen zu optimieren, wie zum Beispiel die Verwendung des leiseren, stabileren LA31-Antriebs sowie einfachere Steuerungen, die sich besser für höhenverstellbare Schreibtische eigneten.

Höhenverstellbarer Schreibtisch mit Parallelogramm-Design aus den frühen 1990er Jahren – mit Linak-Technik. Abbildung: Linak.

Höhenverstellbarer Schreibtisch mit Parallelogramm-Design aus den frühen 1990er-Jahren – mit Linak-Technik. Abbildung: Linak.

Obwohl die elektrische Hebetechnik eine stärkere Kraft und ein komfortableres Benutzererlebnis als die traditionelle pneumatische Technik hatte, waren ihre Nachteile offensichtlich: Die Hubhöhe des Elektroantriebs war begrenzt. Aufgrund des Parallelogramm-Designs ließ sich der Schreibtisch hoch- und runterfahren, doch wegen der komplexen Hebetechnik glich er eher einer Maschine.

Neue Ära der Antriebe für Schreibtische

Im Jahr 1998 wurde das erste höhenverstellbare Tischsystem mit Hubsäule von Linak entwickelt. „Den Anwendern bessere Hebelösungen zu bieten, war die Hauptmotivation hinter unserem damals revolutionären und neuen Schreibtisch-Hubsystem DL1“, erinnert sich John Frost, Vizepräsident der Linak-Gruppe, an die Geschichte des Baus des ersten tischspezifischen Hebesystems. „Durch die Kommunikation mit Kunden und entsprechenden Untersuchungen haben wir herausgefunden, dass das, was die Benutzer brauchen, ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist, der reibungslos auf und ab fährt und ein elegantes Aussehen hat.“

Der Linearaktuator LA31 mit der Steuerung CB9 dient als technische Grundlage für elektrisch höhenverstellbare Schreibtische. Abbildung: Linak.

Der Linearaktuator LA31 mit der Steuerung CB9 dient als technische Grundlage für elektrisch höhenverstellbare Schreibtische. Abbildung: Linak.

John Frost weiter: „Wir haben diese Aufgabe sechs Ingenieuren von Linak übertragen, drei Maschinenbauingenieuren und drei Elektroingenieuren. Die eigentliche Innovation dieses neuen Systems liegt in der Beziehung zwischen Motor, Hauptwelle und Führungssystem, das die Reibungstoleranzen während der gesamten Beinbewegung nahezu perfekt kontrolliert. Die Ästhetik des Designs ist wichtig, aber die technologische Innovation in der Hubsäule ist der Kern und der Schlüssel.“ Was das Linak-Team nicht erwartet hatte: Mit dem DL1-System haben sie eine neue Ära der höhenverstellbaren Schreibtische im Büro eingeleitet.

Mit der Einführung des DL1 von Linak begann eine Reihe von europäischen Möbelherstellern damit, höhenverstellbare Schreibtische mit DL1-System auf den Markt zu bringen. Diese Schreibtische waren nicht nur attraktiv und praktisch, sondern auch ergonomischer. Die Nachfrage stieg rapide an, zumindest in den skandinavischen Ländern. Hier lag der Anteil an elektrisch höhenverstellbaren Arbeitsplätzen im Jahr 2005 bei über 90 Prozent. In Deutschland und den anderen europäischen Ländern tat man sich bis dahin noch schwer, in einen elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch zu investieren, um Büroangestellten einen ergonomischen Arbeitsplatz zu bieten.

Mit der Einführung der Hubsäule DL1 ist das erste komplette Antriebssystem für Schreibtische erhältlich. Abbildung: Linak

Mit der Einführung der Hubsäule DL1 war 1998 das erste komplette Antriebssystem für Schreibtische erhältlich. Abbildung: Linak

Selbst bei der Vermarktung war Linak Vorreiter. Mit vielen Aktionen, Kooperation mit Möbelherstellern sowie einer großen Marketing-Kampagne, die sich über viele Jahre zog, wurde für den höhenverstellbaren Schreibtisch und das abwechselnde Arbeiten im Sitzen und Stehen geworben. „Wir haben mit Objekteinrichtern, Gesundheitsmanagern und Betriebsärzten gesprochen. Wir haben mit Geduld, aber auch mit Beharrlichkeit die Vorteile kommuniziert“, erläutert Christian Renner, Marketingleiter der Linak GmbH in Deutschland. Auf diese Weise hat Linak unwissentlich einen neuen Trend in der globalen Möbelbranche ausgelöst.

Entwickelt für Langlebigkeit

Funktionieren die höhenverstellbaren Schreibtische, die das DL1-System seit mehr als 20 Jahren nutzen, noch heute? Die Antwort lautet: ja. Kurz nachdem Linak 1998 das erste elektrische Liftsystem, den DL1, auf den Markt gebracht hatte, beschloss ein Tischler namens Herwig Danzer, seine eigenen höhenverstellbaren Schreibtische zu entwickeln – eine Idee, die zu dieser Zeit sehr futuristisch und modern war.

Herwig Danzer und sein eigener höhenverstellbarer Schreibtisch mit der Hubsäule DL1. Abbildung: Linak

Herwig Danzer und sein eigener höhenverstellbarer Schreibtisch mit der Hubsäule DL1. Abbildung: Linak

Als Linak auf diesen Kunden nach mehr als 20 Jahren aufmerksam wurde, zeigte dieser seinen Schreibtisch – unter dem die Hubsäule DL1 montiert war. Danzer dazu: „Dieser Schreibtisch funktioniert schon seit einer erstaunlich langen Zeit!“

Für mehr Komfort am Arbeitsplatz

Linak hat nicht nur den elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch sozusagen erfunden, sondern auch immer weiterentwickelt. Im Jahr 2013 haben die Dänen als erstes Unternehmen einen Kollisionsschutz präsentiert, der auf einer Piezo-Technologie basiert und durch seine Präzision überzeugt. Zwei Jahre später folgte dann mit Kick & Click ein revolutionäres Rahmenmontagesystem, das den Zusammenbau von elektrisch höhenverstellbaren Schreibtischen zum Kinderspiel macht. Neueste Innovation des dänischen Unternehmens ist Linak ZERO – eine Technik, die den Stromverbrauch im Stand-by-Modus von 1 bis 2 Watt auf 0,1 Watt senkt.

Im Laufe der Jahre hat Linak die Produktion mehr und mehr automatisiert. Dies hat dazu geführt, dass die Preise für elektrisch höhenverstellbare Schreibtische immer attraktiver wurden, ohne Abstriche bei der Qualität machen zu müssen.